Waldorfkindergarten
Herdecke e.V.

Am Hessenberg 32
58313 Herdecke

Telefon: (02330) 66 92 92
Fax: (02330) 80 79 89

Grundsätze

 

„Das Kind in Ehrfurcht empfangen,
 in Liebe erziehen
 und in Freiheit entlassen.“

- Rudolf Steiner -

 

Im Mittelpunkt aller pädagogischen und organisatorischen Arbeit steht das in der Nachahmung und im Spiel lebende und lernende Kind. Auf der Grundlage der Menschenkunde und der Pädagogik Rudolf Steiners ist unser zentrales Anliegen

  • die Individualität des Kindes zu wahren
  • seine Entwicklung im ersten Lebensjahrsiebt zu fördern
  • es in der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu unterstützen
  • seine Sinne in ihrer Gesamtheit anzuregen
  • ihm Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen für seinen Lebensweg mitzugeben
  • seine schöpferischen Phantasiekräfte zu erhalten bzw. anzusprechen
  • seinen Gemeinschaftssinn zu stärken


Dieses spiegelt sich wie folgt in der alltäglichen Arbeit:

Die menschenkundliche Einsicht in die Entwicklungsvorgänge zeichnet unsere Pädagogik aus: Es geht darum, die "Erziehung als Kunst" zu entwickeln. Die Erziehungskunst lässt sich nicht in ein festes Programm einbinden. Sie wird lebendig mit dem schaffenden Tun im Tageslauf. Wir sehen den Kindergarten als großen Haushalt, der auf die Lebensbedürfnisse der Kinder eingestellt ist. Der Tagesablauf beginnt mit dem Freispiel. Die Erzieherin arbeitet an Inhalten, was sie sich für diesen Tag vorgenommen hat. Ihre Tätigkeit ist Mittelpunkt, wirkt nachahmend, formgebend, sozusagen "ansteckend" auf die Kinder. Sie wollen auch tätig sein. Sie sehen zu, sie wollen helfen oder werden ihrerseits tätig. Das gemeinsame Aufräumen schließlich beendet das Freispiel. Auch hierbei ist die Erzieherin Vorbild. Sie gibt keine Anordnungen oder Befehle, sondern durch ihr Tun werden die Kinder zur Nachahmung gebracht.
Spielerisch schaffen so die Kinder als Väter und Mütter Ordnung in ihren Häusern.

Nach dem gemeinsam vorbereiteten und eingenommenen Frühstück ergibt sich je nach Jahreszeit die Möglichkeit für einen Spaziergang, für das Spielen auf dem Spielplatz, für Gartenarbeit, für das Bauen mit Brettern und vieles andere. Das Märchen, erzählt oder als Puppenspiel vorgetragen, bildet schließlich den Abschluss am Ende des Vormittages. Märchen und Geschichten bereichern den Wortschatz der Kinder und sind somit ein wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Mittel zur Sprachförderung.

Der Jahresrhythmus bestimmt den Tagesablauf im Kindergarten. Wichtig für die Entwicklung der Kinder ist der Jahresrhythmus. Das physische Werden des Kindes spiegelt sich in den natürlichen Vorgängen, die das Jahr mit sich bringt. Das Erleben von Zeit und Veränderung bekommt in der Wiederkehr der schon einmal erlebten Jahreszeiten und den daran anknüpfenden Ereignissen einen Halt.

Immer wieder stellen ErzieherInnen und Eltern fest, dass Kinder besonders stark in einer religiöse Daseinsstimmungen leben. Kinder freuen sich auf die besonderen Tage des Jahres und sind gerne bereit, gefühlsmäßig und zelebrierend Festtage zu begehen.

Ganz allmählich verliert die Sonne ihre Kraft und man schaut schon etwas wehmütig auf den vergangenen Sommer; da ist am 29. September Michaelistag im Kindergarten. Die uns überlieferte Legende vom heiligen Erzengel Michael, der mit seinem Lichtschwert den Drachen besiegte, gilt als Zeichen für ein waches Bewusstsein. Das Böse kann durchschaut und bekämpft werden. Die Kinder sind tatsächlich in dieser Zeit ganz euphorisch und auch etwas angriffslustig. Gleichzeitig stellen sie sich plötzlich kleine Mutproben. Vor dem Tag des heiligen St. Martin z.B. werden mit großem Eifer die Laternen gebastelt, bevor dann in der Abenddämmerung die Mantelteilung erlebt werden kann. In der Advents- und Vorweihnachtszeit erleben die Kinder die Krippenspiele und in der Faschingszeit verkleiden sie sich als das, was sie schon immer sein wollten. Zu Ostern schließlich wird mit Freude das versteckte Nest gesucht.

Für die Waldorf-Pädagogik sind die verschiedenen Feste des Jahres und die Jahreszeiten wichtig, damit sich die Kinder in einer vertrauten Umwelt entwickeln können.


Integration von Kindern mit Besonderheiten

Die Integration von Kindern mit Besonderheiten gehört zu unserem Kindergartenalltag. Hierbei tun sich die Kinder oftmals leichter als wir Erwachsenen. Jedes Kind mit all seinen Stärken und Schwächen stellt eine Bereicherung der Gruppe dar. Um den Kindern optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, legen wir hierbei besonderen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, Ärzten und anderen Fachleuten.
 Wir verfügen über eine zusätzliche Fachkraft, die eine gezielte Förderung der jeweiligen Kinder übernimmt.

Integration verstehen wir als ganzheitliches Konzept, beziehen also grundsätzlich alle Kinder ein und lehnen dementsprechend eine Unterscheidung nach "integrierbaren" und "nichtintegrierbaren" Kindern ab. Wir gehen von einem Miteinander ganz unterschiedlicher Kinder in einer Gruppe aus und akzeptieren Ungleichheiten bezüglich Fähigkeiten und Entwicklungsstand als gleichrangig.

Integration beschränkt sich bei uns nicht auf das Zusammensein an gemeinsamen Spiel- und Lernorten, sondern schließt die individuellen Bedürfnisse aller Kinder ein, auf die wir angemessen eingehen.

Unsere Integrationsarbeit gestalten wir so, dass jedes Kind seine individuellen Fähigkeiten zusammen mit anderen Kindern entfalten und seine Persönlichkeit ausformen kann. Daher spiegeln sich die Wirkungen der integrativen Arbeit in der Persönlichkeits- und Sozialentwicklung aller Kinder wieder. In der heterogenen Gruppe kann das Kind seine ganzheitlichen und Sinnerschließenden Lernaktivitäten entfalten, Achtung und Wertschätzung des Anderen pflegen und durch gegenseitige Hilfe und Unterstützung Vertrauen lernen.

Dieses Lern- und Bildungsziel ist eine Antwort auf das kälter gewordene soziale Klima, welches das Leben von Menschen mit besonderen Befähigungen offen bedroht.